Freitag, 17. Juni 2011



ich sitze am tisch, vor mir liegt eine halbe pizza. 450 kalorien, das fett blubbert auf ihr. ich weiß inzwischen zwar, dass ich essen muss um gesund zu sein und es normal ist zu essen. doch pizza? ist es nicht ein bisschen zu viel des guten? ich verziehe das gesicht. mir wird durch den geruch schlecht und ich habe angst, mich übergeben zu müssen. ich frage ihn, ob er vielleicht nicht etwas kleineres hätte, etwas gesünderes. vielleicht einen salat oder sowas. doch er fängt an mich anzubrüllen: "du wirst jetzt sofort diese pizza essen, fräulein! ich lasse nicht zu, dass du wieder abnimmst, du bist doch gerade erst aus der klinik raus. du willst doch nicht direkt wieder von einer in die nächste klinik springen, oder?" nein, das will ich nicht. ich will es wirklich nicht, doch es ist so viel. ich habe angst, ich könnte es nicht in mir behalten. wieso kann er mir verdammt nochmal nicht einfach etwas kleineres geben, mit ein paar weniger kalorien? ich würde es essen, wirklich. doch er sieht es gar nicht ein und schreit mich an. ich fange an zu weinen. ich habe angst - vor einer pizza. ich bin erbärmlich! "du musst dich nur zwingen das zu essen! dann schaffst du es auch, meine fresse, es ist doch nur essen! die kinder in afrika wären froh, wenn sie etwas zu essen hätten!" wahrscheinlich liegt es daran. wie leben hier im überfluss..wir haben alles, was wir zum leben brauchen, doch wir sind trotzdem nicht glücklich. wir werden niemals zufrieden sein. er packt meinen unterarm und drückt feste zu, brüllt mich an, was er denn nur für eine gestörte tochter hätte. schämen müsste man sich für mich. ich hasse ihn, grinse ihn an. wäre ich übergewichtig, würde er sich wünschen, ich würde keine pizza essen. ich verschlinge die pizza in wenigen bissen und grinse ihn an. er guckt mich erstaunt an. "na siehste, klappt doch! du machst uns allen doch nur etwas vor" seine neue kommt ins zimmer. sie ist nicht viel älter wie ich. solariumtusse mit platinblonde haaren, rosaglänzender lipgloss auf ihren aufgesprizten lippen, die sie dem schönheitschirurgen genauso zu verdanken hat wie ihre 75 DD brüste. sie gibt meinem vater einen kuss. "oh hallo leonie! schön, dass du uns besuchen kommst!", sagt sie mir ironisch mit ihrer quietsche-enten-stimme. sie mag mich genauso wenig, wie ich sie. mein vater weiß sicherlich genauso gut wie ich, dass sie nur wegen des geldes mit ihm zusammen ist. armselig! ich lache, gehe ins bad, steig auf die waage: 45,3. hallo pizza, schön dich wiederzusehen!

3 Kommentare:

  1. Hör auf mit dem Kotzen. Du kommst da raus, ihr beide. Du bist so ein tolles Mädchen wie ich dich kennengelernt hab. Glaub an dich!

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  2. baby, ich liebe dich ♥
    dein vater ist ein arsch und du bist perfekt, wie du bist. ich wünschte, du könntest dich so sehen, wie ich dich! du BIST gut genug.

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  3. pizza direkt nach dem klinikaufenthalt ist zu viel für den anfang, ehrlich! ok der eintrag ist alt, aber ich hatte lust mir deine geschichte von anfang an anzusehen. nun bin ich ja schon rasch am anfang angekommen und wollte meinen senf dazugeben. ein salat hätte erstmal auch gereicht. aber du bist ja jetzt schon viel weiter, zum glück! alles gute!

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