Freitag, 18. November 2011

Ich esse normal und ich genieße es. Ich kann essen, ohne diese ständigen Gedanken, an meine Figur. Ich kann essen, ohne mich selbst zu hassen. Ich kann lachen, wirklich lachen. Und wisst ihr, was ich am liebsten hab? Mein Leben!

Ich akzeptiere mich so, wie ich bin. Es ist egal, wie man aussieht, aber es ist nicht egal, wie man ist und wie es einem geht. Das Leben ist viel zu kostbar, um es zu zerstören. Ich wünschte, ich hätte es schon eher gemerkt. 

57,8 kg - Ich bin normal und es ist gut so! Denn ich bin ich  und darauf bin ich mächtig stolz.

Dienstag, 1. November 2011

wir

Mit offenen Armen empfange ich sie am Bahnhof. Sie lächelt, was mir sehr gefällt, doch ich weiß sehr gut, dass dieses Lächeln kein 'Alles-ist-super,mir-geht-es-gut' Lächeln ist sondern ein 'Schön-dich-zu-sehen' Lächeln ist. Ich schließe sie in meine Arme und habe Angst, sie zu zerbrechen. Es ist zwar nicht mehr so mächtig schlimm wie beim letzten mal, doch trotzdem habe ich Angst. Ich habe noch immer diese Bilder vor mir. Sie, spageldünn vor mir stehend. Tränen. "Schön dich endlich wiederzusehen", flüstert sie mir ins Ohr. "Ich liebe dich", antworte ich ihr. Ich weiß gar nicht wirklich, was ich sagen soll. Ich bin so sprachlos. Sie ist noch genauso schön wie beim letzten mal, vielleicht noch schöner. Doch als ich ihr in ihre Augen schaue sehe ich, wie schlecht es ihr geht. Ich sehe das, was so manch anderer nicht sieht, da sie von der Farbe ihrer Augen einfach zu verzaubert sind, um richtig hinzuschauen. (...)

Ich nehme ihre Hand und führe sie in eine Pommesbude, doch essen tut sie nicht. Auch, als ich ihr sage, dass es mein Leben so viel leichter gemacht hat, nimmt sie nur meine Hand und lächelt mich an. Während ich meine Pommes esse, tippt sie ein paar Sms'n. "An Maddi", sagt sie lächelnt. Ich weiß nicht wieso, ich könnte weinen, ich fühle mich so schlecht, so einsam, obwohl ich genau weiß, dass sie hier bei mir ist. Ich habe Angst, jemand könnte sie mir nehmen. Nach all dem, was passiert ist. Ich fühle mich egoistisch und trinke mein Glas Cola light leer. (...) Wir gehen in die Umkleide, probieren die verschiedensten Sachen an, haben Spaß und lachen viel. Bis meine Blicke in den Spiegel wandern, auf ihre mit Narben übersähten Oberschenkel.  Ich schaue sie entsetzt an, ich kann nicht anders. Es ist noch schlimmer, als ich es befürchtet hatte. Ich kann gar keine Worte dafür fassen. Ich drehe mich zu ihr um, blicke auf ihre Narben hinab. Ein wahres Chaos.. *Gefühlschaos* Das einzigste, was ich deutlich erkennen kann sind die Worte 'TOD' & 'JA..' und lauter waagerechter und senkrechter Schnitte. Ich fange an zu weinen. Sie nimmt mich in ihre Arme. "Hey, schau du dir mal deine Arme an, Süße. Es ist Vergangenheit, hörst du? Ich versuche damit aufzuhören, genauso wie du es getan hast. Ich bin so stolz auf dich" Ich liebe dich. (...) Wir laufen Richtung Bahnhof, nehmen den nächsten Zug und verstecken uns vor den Kontrolleuren auf der Toilette. Sie erzählt mir die phänomenalsten Storys und ich sehe, dass sie lacht. "Siehst du, das Leben kann auch schön sein", sage ich. "Ja"
blogaward von peaches

1. ich hatte heute einen wunderschönen tag mit mina.
2. ich war erschrocken, als ich sie sah.
3. wir haben gegessen.
4. ich bin seit vier jahren vegetarierin.
5. ich liebe meinen kleinen bruder über alles.
6. ich habe blaue haare.
7. meine stiefmutter hasst mich.

ich gebe weiter an: minaamelienicole

Freitag, 28. Oktober 2011

Die Sonne scheint auf mich herab, der kühle Wind lässt meine Haare fliegen. Ich lebe, das ist das wahre Leben, das schöne Leben. Und ich mag es nicht nur, ich liebe es. Gestern hatte ich ein Gespräch in der Klinik. Sie haben mich gefragt, wie es mir gehen würde. Ich habe gelacht, wirklich gelacht! "Ich lebe und ich genieße es", habe ich ihnen geantwortet. Und es ist wahr. Ich habe mein Leben endlich wieder, meine Lebensfreude und mein Lächeln. Sie haben genickt und mit einem Lächeln auf den Lippen geantwortet, dass sie es sehen würden, sie würden es ganz klar sehen. Und wisst ihr was? Ich war stolz auf mich. Ich bin stolz auf mich und ich finde es überhaupt nicht eingebildet soetwas zu sagen. Ich bin froh, dass ich es sagen kann, wirklich froh. Denn ich kann lachen, ich kann essen und ich kann LEBEN! Auch, wenn ich kaum noch dran geglaubt hätte, dass alles wieder gut werden wird, ES IST WIEDER GUT, alles ist gut. Mein Leben ist gut. Ich wiege 55 kg und ich bereue es überhaupt nicht mehr, zugenommen zu haben. Ich bin einfach nur froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Total froh!

Es tut mir Leid, dass ich mich kaum gemeldet habe. Aber ich habe zur Zeit kein Internet, nur bei meiner Oma.

Dienstag, 20. September 2011

Ich denke nicht mehr an Selbstmord, ich erbreche mein Essen nicht mehr, das Essen fällt mir immer leichter, ich schneide mich kaum noch. Man könnte sagen, ich bin auf dem besten Weg und das verdanke ich dir, Mina Kathleen. Danke, dass du wirklich immer für mich da bist. Danke, dass ich dich jeder Zeit anrufen kann und du mir zuhörst. Danke dafür, dass du mir das Gefühl gibst, gebraucht zu werden. In fast jeder Therapiestunde erzähle ich von dir und wie glücklich du mich machst. Du bist so wunderbar. Ich liebe dich und ich will einfach nur, dass du glücklich wirst. Ich wünsche mir nichts sehnlicher. Ich freue mich darauf, dich endlich wieder in meinen Armen halten zu können. Ich liebe dich!

In der Schule läuft es gut, mit meiner Mutter ist wieder alles okay und mit meinem Vater habe ich mich auch versöhnt. Ich bin schon bei 53 Kilogramm. Nie im Leben hätte ich es mir vorstellen können, wieder bei 53 Kilogramm zu sein und mich schön zu finden, wohl zu fühlen. Ich fühle mich wohl. Sehr wohl sogar. Das Leben ist viel leichter, wenn man sich keine Gedanken ums Essen machen muss. Essen ist lebensnotwenig und wir alle sind jung und sollten unser Leben genießen. Scheiß auf Modelmaße, scheiß drauf! Niemanden interessiert es, wie viel du wiegst oder ob du die dünnste bist. Niemanden. Abgesehen von dir. Mein ganzes Leben hat sich nur noch ums Essen gedreht, ich habe mich immer mehr isoliert. Ich habe kaum noch was mit Freunden oder meiner Familie gemacht. Eigentlich saß ich die ganze Zeit allein in meinem Zimmer, habe geweint oder mir die Beine aufgeschnitten. Oder ich war alleine im Park - joggen. Essen und Sport. Mehr gab es für mich nicht mehr. Jetzt weiß ich, dass ich damit viel zu viel Zeit verschwendet habe. Ich hätte glücklich sein können, Spaß am Leben haben können. Wenn man nichts isst, geht das nicht, glaubt mir. Dünn sein ist nichts tolles. Dünn sein macht einsam. 

Sonntag, 28. August 2011

hallo ihr lieben,
es tut mir leid, dass ich mich die ganze zeit nicht gemeldet habe, aber wie ihr wisst, bin ich ja noch immer in der klinik und ich durfte nicht jedes wochenende nach hause ;) aber ich kann euch ohne schlechtes gewissen sagen, dass es mir gut geht und dass ich mein leben in vollen zügen genießen möchte. ich bin zur zeit bei 50,8 kilogramm und mittlerweile fällt mir das zunehmen nicht mehr so schwer. anfangs habe ich mich zwar dafür gehasst, aber jetzt weiß ich, dass es wichtigeres gibt, als dünn zu sein. dieser ganze abnehmmist macht uns alle nur kaputt. ihr müsst ja nicht 80 kilo oder so wiegen, aber bitte, genießt euer leben, eure jugend und macht euch keinen kopf dadrum. glaubt mir, nach ner zeit geht es euch so dreckig und ihr vernachlässigt wirklich alles. eure freunde, eure familie und vorallem euch selbst. das ist kein leben mehr. es ist nur essen. manche menschen wären froh, wenn sie essen könnten, was sie wollen. ihr könnt es. und es ist auch scheiß egal, ob ihr ein paar kilo zu viel auf den hüften habt oder so: IHR SEID SCHÖN! 

Samstag, 23. Juli 2011

Es tut mir leid, dass ich mich die letzte zeit nicht gemeldet habe, aber wie ihr wisst, bin ich in der klinik und ich durfte die letzten wochenenden nicht nach hause, da ich leider nicht genug zugenommen hatte. Okay ich find es scheiße. Ich steh unter druck, denn ich m.u.s.s. Zunehmen. Aber ich muss das tun, ich muss gesund werden. Ich schaff das schon. Irgendwie wird das schon klappen. Naja, zur zeit bin ich wirklich kaputt und schwach und verbring den halben tag im bett. Und ich weiß auch gar nicht mehr, was mit euch los ist und wie es euch geht, aber ihr könnt mir schreiben. Briefe. Oder smsn oder anrufen geht auch. Also ich würde mich freuen. Ich weiß auch nicht, was ich sagen soll, morgen früh fahr ich wieder in die klinik und heute war ich bei meiner oma zu besuch, die mir natürlich mal wieder kuchen andrehen wollte, doch so weit bin ich noch nicht. Noch nicht. Mal sehen, wann ich es kann, bald, irgendwann werde ich normal essen können. Ich schaff das. Hoffe ich jedenfalls.

Samstag, 2. Juli 2011


So leute..ich lebe noch und bevor ich irgendwas erkläre, wollt ich euch nochmal sagen, dass ihr alle mal schön die fresse halten könnt und euch mal lieber gedanken um euren scheiß machen könnt. Nein, mina ist nicht daran schuld, dass ich versucht hab, mich umzubringen und ich frag mich echt, wie ihr auf so eine scheiße kommt. Mischt euch mal nicht in anderer leben ein und kümmert euch um euren dreck.

Okay, wie gesagt bin ich wieder in der klinik und mir geht es auch schon besser. Es war scheiße von mir und ich bereue es auch. Eigentlich will ich ja leben, deswegen..nur mir sind irgendwie alle sicherungen durchgebrannt und ja, weiß auch nicht. Ich kann auch nur kurz schreiben, weil meine mutter mich beobachtet. Mh..also ich hoffe, euch geht e gut und es tut mir leid,dass ich jetzt nicht auf alle nachrichten geantwortet hab, ich meld mich sobald es geht. Und eins noch: ihr seid alles was gaaaanz besonderes und habt es verdient zu leben. Jeder einzelne von euch und es gibt immer irgendwen, der euch liebt. Ja, so ist es.



Sonntag, 19. Juni 2011



ich verliere die kontrolle. sie ist stärker als ich, hält mich fest und lässt mich nicht mehr los. ich dachte immer, mit ihr hätte ich die volle kontrolle, es wäre der einzigste funke kontrolle, den ich noch hätte. doch das ist falsch. ich habe die kontrolle verloren, ich habe alles verloren. ich weiß nicht mehr, was richtig und was falsch ist. ich lasse mich fallen und werde nicht aufgefangen. ich falle und falle. immer tiefer und tiefer und tiefer. ich weiß nicht mehr, wo ich bin und was ich machen soll. was will ich überhaupt und was wollte ich? was habe ich mir eigentlich erhofft? ich weiß es nicht mehr. ich weiß nur noch, dass ich dadurch nicht glücklicher geworden bin - im gegenteil. aber ändern kann ich es nicht mehr. sie hat mich eingenommen, ich hab inzwischen nichts mehr zu sagen. ich versuche aufzustehen, doch ich komme nicht aus diesem loch heraus..nicht alleine und auch nicht mit hilfe. und ich falle wieder. das loch wird immer tiefer, ich rutsche immer weiter runter. ich rutsche ins nichts, in den tod. ich weiß es und doch sehe ich es irgendwie nicht ein, irgendetwas zu tun, damit es nicht so kommen wird. ich liebe sie und ich habe angst, dass sie sich etwas antut, dass sie stirbt. dass sie sich noch kaputter macht, als dass sie es schon ist. ich habe so verdammte angst um sie. ich will sie beschützen, will für sie da sein, immer..24 stunden am tag, ihr ganzes leben. und doch weiß ich, dass ich sie nicht halten kann, dass ich sie nicht beschützen kann. mina süße, ich habe solche angst!

sie wollen mich wieder in die klinik stecken..speziell für essstörungen. doch ich weiß nicht, was das bringen soll. ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas bringt. erst jetzt realisiere ich, was ich eigentlich getan habe. ich mach nicht nur mich kaputt, sondern auch die menschen um mich herum. mein kleiner bruder hat geweint, als ich heute mittag vor meinem teller spaghetti saß und nicht wusste, was ich tun sollte. ich konnte sie nicht essen. es tut mir so leid, wirklich. ich will, doch irgendwie will ich es auch nicht. ich weiß nicht, was mit mir passiert..ich weiß nicht mehr, weshalb ich kämpfe, versuche zu essen. ich zerstöre mein ganzes leben, ich reiß es in stücke. was wird nur aus meiner zukunft, werde ich überhaupt eine haben? ich weiß nicht. es ist, als hätte mir jemand mein gehirn genommen und es durch eine kartoffel ersetzt. ich bin so furchtbar dumm geworden. ich möchte doch nichts, als dass mich jemand einfach nur in den arm nimmt und mir sagt, dass er für mich da ist. mehr will ich doch gar nicht!


Freitag, 17. Juni 2011



ich sitze am tisch, vor mir liegt eine halbe pizza. 450 kalorien, das fett blubbert auf ihr. ich weiß inzwischen zwar, dass ich essen muss um gesund zu sein und es normal ist zu essen. doch pizza? ist es nicht ein bisschen zu viel des guten? ich verziehe das gesicht. mir wird durch den geruch schlecht und ich habe angst, mich übergeben zu müssen. ich frage ihn, ob er vielleicht nicht etwas kleineres hätte, etwas gesünderes. vielleicht einen salat oder sowas. doch er fängt an mich anzubrüllen: "du wirst jetzt sofort diese pizza essen, fräulein! ich lasse nicht zu, dass du wieder abnimmst, du bist doch gerade erst aus der klinik raus. du willst doch nicht direkt wieder von einer in die nächste klinik springen, oder?" nein, das will ich nicht. ich will es wirklich nicht, doch es ist so viel. ich habe angst, ich könnte es nicht in mir behalten. wieso kann er mir verdammt nochmal nicht einfach etwas kleineres geben, mit ein paar weniger kalorien? ich würde es essen, wirklich. doch er sieht es gar nicht ein und schreit mich an. ich fange an zu weinen. ich habe angst - vor einer pizza. ich bin erbärmlich! "du musst dich nur zwingen das zu essen! dann schaffst du es auch, meine fresse, es ist doch nur essen! die kinder in afrika wären froh, wenn sie etwas zu essen hätten!" wahrscheinlich liegt es daran. wie leben hier im überfluss..wir haben alles, was wir zum leben brauchen, doch wir sind trotzdem nicht glücklich. wir werden niemals zufrieden sein. er packt meinen unterarm und drückt feste zu, brüllt mich an, was er denn nur für eine gestörte tochter hätte. schämen müsste man sich für mich. ich hasse ihn, grinse ihn an. wäre ich übergewichtig, würde er sich wünschen, ich würde keine pizza essen. ich verschlinge die pizza in wenigen bissen und grinse ihn an. er guckt mich erstaunt an. "na siehste, klappt doch! du machst uns allen doch nur etwas vor" seine neue kommt ins zimmer. sie ist nicht viel älter wie ich. solariumtusse mit platinblonde haaren, rosaglänzender lipgloss auf ihren aufgesprizten lippen, die sie dem schönheitschirurgen genauso zu verdanken hat wie ihre 75 DD brüste. sie gibt meinem vater einen kuss. "oh hallo leonie! schön, dass du uns besuchen kommst!", sagt sie mir ironisch mit ihrer quietsche-enten-stimme. sie mag mich genauso wenig, wie ich sie. mein vater weiß sicherlich genauso gut wie ich, dass sie nur wegen des geldes mit ihm zusammen ist. armselig! ich lache, gehe ins bad, steig auf die waage: 45,3. hallo pizza, schön dich wiederzusehen!